Der Campus, der sich mit Energie selbst versorgt

Innenhof Campus Pinkafeld
Holz, Grün und kurze Wege: Der Innenhof verbindet die Gebäudeteile. Darunter befinden sich 183 Erdsonden. 

183 Erdsonden, mehr als 1.200 Messpunkte und eine 200-Kilowatt-Photovoltaikanlage: In Pinkafeld geht im September ein Hochschulcampus in Betrieb, die ihre Energie aus dem Boden und vom Dach holt – und unterm Strich mehr Energie erzeugt, als verbraucht 

Möglich macht das eine ausgeklügelte Technologie, die sich unter dem Gebäude verbirgt. Die Nutzung von 183 Sonden, die tief in die Erde reichen, macht den Campus zum größten Geothermieprojekt im Burgenland. Diese Sonden dienen als Energiequelle im Winter und im Sommer – also zum Heizen und Kühlen. Kein Gas, kein Öl, kein Fernwärmeanschluss.  

Die Sonne macht den Rest  

Unterstützung kommt von der Sonne. Und sie liefert dann am meisten, wenn der Campus am meisten braucht. Kühlung und Lüftung fallen im Hochsommer an. Exakt dann, wenn die Anlage auf Volllast läuft. Über das Jahr gerechnet versorgt sich der Campus selbst mit Energie. Bilanziell klimaneutral also. 

Photovoltaik am Campus Pinkafeld
Offene Bauweise mit Holzfassade: Die überdachten Stege verbinden die Baukörper, darüber liegt die Photovoltaik. 

Die Geothermie-Anlage in Kombination mit der PV-Anlage spart jährlich 70 Tonnen Co2 ein. Veranschaulicht bedeutet das die Filterleistung von rund zehn Fußballfeldern dichtem Wald, 40 Flüge von Wien nach New York und retour oder 12,5 Erdumrundungen mit dem Auto.  

Eine der modernsten Technikanlagen Österreichs  

Was diese Anlage von vielen anderen unterscheidet, ist nicht die Technik allein, sondern die Kontrolle darüber. Mehr als 1.200 Messsonden erfassen, was im Gebäude passiert. Schon vor dem Bau wurde alles dynamisch simuliert. Das klingt technisch und ist es auch – spart aber bares Geld: Die meisten konventionellen Anlagen sind deutlich überdimensioniert, weil man im Zweifel lieber zu groß baut. Hier wurde gerechnet statt geschätzt. Und das Monitoring sorgt dafür, dass die Werte aus der Simulation im laufenden Betrieb auch tatsächlich gehalten werden. Nachjustiert wird permanent. Damit zählt die Technikanlage zu den modernsten ihrer Art in Österreich.  

Nicht nur nachhaltig, sondern auch wirtschaftlich  

Dass Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit kein Widerspruch sind, zeigt dieses Projekt deutlich. Öffentliche oder landesnahe Bauprojekte unterliegen mittlerweile strengen Auflagen hinsichtlich des Energieeffizienzgesetzes, EU-Vorgaben und der CO₂-Bepreisung, wenn fossile Energie eingesetzt werden.  

Der Campus Pinkafeld erfüllt diese Vorgaben längst. Geplant wurde er vor fünf Jahren – nach Standards, die es damals noch gar nicht gab. Die Landesimmobilien Burgenland haben sich die Latte extra hochgelegt. Und das rechnet sich. Der Campus spart über 30 Jahre einen sechsstelligen Betrag an reinen CO₂-Abgaben.  

Die Technologie als Lehrbuch  

Und dann ist da noch der Teil, der das Gebäude zur Hochschule macht. Die Anlage ist nicht nur Infrastruktur, sondern Lehrmaterial. Studierende werden ihre Master- und Doktorarbeiten über genau die Technik schreiben, die unter ihren Füßen verläuft. Wer in Pinkafeld im Bereich Energie und Umwelt studiert, forscht also künftig am eigenen Haus.