“Politik muss das Leben einfacher machen“

Landeshauptmann Doskozil im Interview
© Landesmedienservice Burgenland / Büro Landeshauptmann Doskozil

Landeshauptmann Hans Peter Doskozil spricht über seine Rückkehr, neue Klarheit und die Zukunft des Burgenlands. 

Herr Landeshauptmann, wie fühlt es sich an, wieder zurück zu sein? 

Es fühlt sich vor allem gut an. Ich bin sehr dankbar, dass ich wieder gesund bin und meiner Arbeit nachgehen kann, auch wenn das Stimmtraining natürlich noch nicht abgeschlossen ist.  

Die vergangenen Wochen haben mir gezeigt, wie viel Zuspruch es im Burgenland gibt. Ich habe unzählige Nachrichten und gute Wünsche erhalten. Diese Herzlichkeit hat mich tief berührt. Dafür möchte ich mich ganz ehrlich bedanken. 

Sie mussten plötzlich einen Gang zurückschalten. Hat Sie diese Erfahrung verändert?  

Eine solche Erfahrung verändert den Menschen nicht grundsätzlich, aber wenn man gezwungen ist, einen Schritt zurückzutreten, verändern sich die Relationen und man erfährt Demut. Man erkennt noch bewusster, was wirklich zählt: Gesundheit, Familie, Menschen, auf die man sich verlassen kann, und die Verantwortung, die man trägt. Durch die Brille des Politikers gesehen könnte man auch sagen, man unterscheidet klarer zwischen Freund und Parteifreund. Es trennt sich die Spreu vom Weizen.  


 

„Ich habe unzählige Nachrichten und gute Wünsche erhalten. Diese Herzlichkeit hat mich tief berührt. Dafür möchte ich mich ganz ehrlich bedanken.“

 


 


 

„Ich habe unzählige Nachrichten und gute Wünsche erhalten. Diese Herzlichkeit hat mich tief berührt. Dafür möchte ich mich ganz ehrlich bedanken.“

 


 

Wenn Sie sich das Burgenland anschauen, worauf sind Sie besonders stolz? 

Darauf, dass im Burgenland heute vieles selbstverständlich erscheint. Dass Eltern ihre Kinder kostenlos betreuen lassen können. Dass man bei uns von A nach B mit öffentlichen Verkehrsmitteln kommt. Dass man im Ernstfall schnell in einer Klinik behandelt wird, egal wo man im Burgenland zu Hause ist oder wie der Lohnzettel ausschaut. Oder dass unsere Eltern und Großeltern in den eigenen vier Wänden alt werden können, wenn es für die Familie so passt, zum Beispiel mit dem Anstellungsmodell.  

Wenn die Menschen über diese Dinge gar nicht mehr groß nachdenken müssen, weil sie einfach funktionieren, dann ist das eigentlich der größte Erfolg von Politik. Politik muss das Leben der Menschen einfacher, sicherer und besser machen. Ein Politiker muss stets für die Schwierigkeiten des Alltags der Menschen Lösungen anbieten können, es braucht Empathie.   

Hat ihre Kehlkopf-OP das Thema Gesundheit auch politisch für Sie noch mehr in den Mittelpunkt gerückt? 

Meine eigene Geschichte hat den Blick auf das System noch einmal geschärft und mich darin bestärkt, weiter in unsere Kliniken zu investieren. Wir sind mit unserer Gesundheitsoffensive einen österreichweit einzigartigen Weg gegangen und haben ausgebaut, statt wie anderswo im Gesundheitsbereich zu sparen. Auch die Herzchirurgie ist ein wichtiger Schritt für unser Bundesland. Für mich hat die neue Abteilung auch einen gewissen Symbolcharakter. Aber was zählt ist, dass die Menschen versorgt werden, und dafür kämpfen wir weiter. Daher sind wir im Burgenland so vehement gegen eine Zentralisierung des Gesundheitssystems, die unweigerlich zu Spitalsschließungen führen würde - das bedeutet konkret Leistungsabbau und dafür sind wir nicht zu haben. 

Auch Pflege bleibt ein großes Thema? 

Mehr denn je. Unsere Gesellschaft wird älter. Deshalb müssen wir rechtzeitig vorsorgen, deshalb sind wir dabei das Pflegestützpunktmodell auszurollen. Mir ist wichtig, dass ältere Menschen möglichst lange selbstbestimmt leben können und Angehörige Unterstützung bekommen. Das ist für mich eine der großen Zukunftsaufgaben und nicht nur ein politisches Thema. Es ist eine Frage des Respekts.  

Kritiker werfen Ihnen vor, dass all das viel Geld kostet – Pflege, Gesundheit, Infrastruktur, … 

Natürlich kostet Zukunft Geld. Entscheidend ist aber, wofür man investiert. Wir investieren nicht in Prestigeprojekte, sondern in Dinge, die den Alltag der Menschen unmittelbar verbessern. Viele Entscheidungen wirken auch nicht von heute auf morgen. Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Energieversorgung oder leistbarer Wohnbau entstehen nicht innerhalb weniger Monate. Aber diese Investitionen machen sich bezahlt. Gleichzeitig sind die Landesfinanzen stabil.  

Wie spielt das burgenländische Stabilitätspaket da hinein? 

Der Schuldenabbau ist voll angelaufen. Wir haben – anders als andere Bundesländer – Häuslbauern vor Banken das Angebot gemacht, ihre Wohnbaudarlehen zu günstigen Konditionen zurückzukaufen – also so, dass sie finanziell profitieren. Und aus dem Erlös werden Darlehen getilgt. Wir reduzieren den Schuldenstand bis 2027 um 200 Millionen Euro, dadurch sparen wir Zinsen und stärken den finanziellen Handlungsspielraum. Auch das ist einzigartig in Österreich. 

Alle Bundesländer kämpfen damit, dass Bundesregierungen Rezession und Inflation nicht bekämpft haben. Das Burgenland steht aber gut da. Die Landesholding erwirtschaftet nachhaltige Gewinne und baut öffentliche Infrastruktur weiter aus. Das alles zahlt auf ein Ziel ein: Lebensqualität.  

Was bedeutet Lebensqualität für Sie persönlich? 

Gesundheit ist das Wichtigste – das sagt man oft so dahin. Nach meiner eigenen Erfahrung weiß ich, wie viel Wahrheit darin steckt. Lebensqualität bedeutet daher für mich, in meiner Freizeit das zu tun, was Spaß macht. Es bedeutet aber auch, sich sicher zu fühlen, sich auf eine gute Versorgung verlassen zu können und gerne hier zu leben, weil es sich bei uns eben gut leben lässt. 

Zum Schluss: Was haben Sie noch vor diesen Sommer? 

Wir sind ja mitten im Kultursommer, das Golser Volksfest steht auch noch an, also es gibt noch einige Highlights im August. Ich habe auch noch zwei Wochen Urlaub und werde den mit Julia verbringen. Schwimmen im Meer kommt für mich leider nicht mehr in Frage. Kroatien wird aber trotzdem nicht ausgelassen. Wir werden voraussichtlich auch wieder ein paar Tage nach Deutschland zu Julias Familie fahren, das hat Tradition. Und ich trainiere für eine Radtour im Herbst.   

 

Danke für das Gespräch!